Wolfgang Kühne – ein ehemaliger “Zeuge Jehovas” Teil 1
Mai 13th 2010 Posted at Allgemein
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Für unsere gemeindeinterne Jugendzeitschrift führten wir ein Gespräch mit Wolgang Kühne. Wolfgang Kühne war früher ein Anhänger der “Zeugen Jehovas”. Ein Gespräch in zwei Teilen.
Herr Kühne, wie wurden Sie ein „Zeuge Jehovas“?
Ich war 17 Jahre alt und gehörte der evangelischen Kirche an. Eines Tages sah ich, dass sich im Garten unserer Nachbarn im Sommer eine Menge junger Leute versammelte. Auf einmal sah ich unter ihnen einen ehemaligen Schulkameraden. Da hab ich zu ihm gerufen: „Mensch Gerd, was machst du denn hier?“ So erzählte er mir begeistert, dass er zwischenzeitlich bei den Zeugen Jehovas die absolute Wahrheit gefunden habe.
Aber ich hielt ihm entgegen, die evangelische Kirche sei das Richtige. (Obwohl meine Eltern atheistisch geprägt waren, bin ich dennoch mit 8 Jahren alleine in die Kirche gegangen, weil ich damals schon an Jesus Christus geglaubt habe.) So bot Gerd mir an, mich zu besuchen, um mit mir über dieses Thema zu sprechen. Zur vereinbarten Zeit vertieften wir uns in eine, so wie ich damals glaubte, biblische Diskussion.
Die Zielstrebigkeit, mit der er immer wieder sowohl bei Schnee als auch bei Regen gekommen ist, um etwas bei mir zu erreichen und seine Hartnäckigkeit bewunderte ich sehr. Wenn die Zeugen Jehovas aber zu einem kommen, so ist es heute genauso wie damals – vor über 60 Jahren – dass sie mindestens nach dem zweiten Treffen vorschlagen, mit ihnen zusammen ein Buch zu studieren. Das Buch heißt „Was wirklich in der Bibel steht“, aber in Wirklichkeit steht das überhaupt nicht in der Bibel. Dieses Buch haben ihre Leute (Leitende Körperschaft) in Brooklyn/N.Y. aufgesetzt.
Am Anfang steigt man mit einfachen Fragen in ihre Lehre ein und wird im Laufe dieses „Studiums“ immer mehr zur Bewusstseinsveränderung hingesteuert, so dass man zum Schluss des Buches vor die Frage gestellt wird, ob man sich taufen lassen möchte – als Zeichen der Hingabe. Dann erst wird man ein Zeuge Jehovas. Das habe ich damals auch getan mit einem anderen Buch, das heißt „Dinge, in denen es unmöglich ist, dass Gott lügt“.
Dieses Buch habe ich regelrecht verschlungen. Gerd hat zu den Texten Fragen gestellt und ich habe ihm daraus geantwortet und merkte, wie ich immer mehr das Gedankengut der Zeugen Jehovas in mir aufgenommen habe und es auch immer besser fand. Das ist einer der psychologischen Tricks, die die Zeugen Jehovas anwenden. Meine Eltern haben sich „mit Händen und Füßen“ gewehrt, dass ich mich mit den Jehovas Zeugen beschäftige und haben mich für eine längere Zeit nach Italien geschickt.
Aber Gerd hat mir einmal in der Woche einen Brief mit den Abschnitten aus dem Buch abgeschrieben, und ich musste ihm die Antworten zurück schreiben. Er nutzte alle Mittel, damit ich weiter machte. Der Widerstand meiner Eltern wurde immer rabiater, was bei mir zu einer Trotzreaktion führte – nach dem Motto: Jetzt erst recht!
Nach dem Studium des Buches ließ ich mich im Alter von 19 Jahren taufen. In der Taufansprache geht es nicht etwa um die Wiedergeburt als Bedingung für die Taufe, sondern lediglich darum, die Sonderlehren der Zeugen Jehovas zu akzeptieren und um die Anerkennung der leitenden Körperschaft, der man gehorsam sein muss.
Von nun an wurde ich systematisch in die Versammlungen der Sekte eingebunden und in die Gemeinschaft integriert. Ich wurde wie in einer Familie aufgenommen.
Woher stammt die Selbstbezeichnung „Zeugen Jehovas“?
Der Text, der als Begründung für den Namen „Zeugen Jehovas“ seit 1933 genannt wird, steht in Jesaja 43,10: „Ihr seid meine Zeugen, spricht der HERR, und mein Knecht, den ich erwählt habe, damit ihr wisst und mir glaubt und erkennt, dass ich’s bin. Vor mir ist kein Gott gemacht, so wird auch nach mir keiner sein.“
Aber, wenn wir Jesaja 43,1 lesen, stellen wir fest, wer der eigentliche Adressat ist: „Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ Gott sagt selbst: „Israel, ihr seid meine ‚Zeugen’ der alten Zeit!“ Aber wir dürfen auch Zeugen sein! Das lesen wir in Apostelgeschichte 1,8: „Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein, zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.“ Jesus selbst sagt: „Ihr sollt meine Zeugen sein!“ Also Jesu Christi Zeugen! Das ist der Auftrag von uns Christen!
Der Name Gottes ist in 2. Mose 3,15 überliefert. Aber die Aussprache «Jehova» ist eine künstliche Konstruktion. Wir wissen heute nicht, wie der Name des Ewigen ausgesprochen wurde.
Stimmt es, dass Zeugen Jehovas das Opfer Jesu am Kreuz zwar anerkennen, jedoch durch den Verdienst eigener Werke auf Rettung hoffen?
Die Zeugen Jehovas haben eine Lehre, nach der sie glauben, auf der Erde in einem Paradies zu leben. Dann wird ihnen ganz deutlich gesagt: „Ihr müsst euren Pflichten nachkommen; von Haus zu Haus gehen und darüber regelmäßig Berichte abliefern, damit ihr ins Paradies kommt.“ Sie werden darauf ständig geschult, jede Woche. Es gibt keine Lobpreis- und Gebetsversammlungen bei den Zeugen Jehovas.
Alles ist auf Schulung ausgerichtet. Deshalb haben sie auch diese Zielstrebigkeit und natürlich das Denken: „Ich will gerettet werden.“ Das ist nur durch diese Werkgerechtigkeit möglich, wie sie auch die katholische Kirche vertritt. Trotzdem müssen die Zeugen Jehovas aber auch an das Opfer Jesu Christi glauben, damit sie ewiges Leben auf der Erde haben können. Das ewige Leben im Himmel sei jedoch nur für die 144.000 Auserwählten vorgesehen.
Teil 2 folgt…
Die beeindruckende und ermutigende Lebensgeschichte von Wolfgang Kühne erhaltet ihr unter www.mitternachtsruf.ch.
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Vielen Dank für dieses aufschlussreiche und spannende Interview…