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Martin Luther: Von dem Papsttum zu Rom, wider den hochberühmten Romanisten zu Leipzig

Eine Empfehlung

Wieder ein kleiner erläuternder Ausschnitt aus einer Werkseinführung von Pierre Bühler: „Die Bezeichnung „Romanist“ meint hier (…) Römling, Romanhänger, Verfechter des römischen Papsttum. Ein solcher war der Franziskanermönch Augustin Alfeld (…).

Er schrieb im April 1520 eine lateinische Schrift gegen Luther, mit der Absicht, aus der Bibel zu beweisen, dass das Papsttum zu Rom auf göttlichem Recht beruhe. Luther hielt sie nicht einer Erwiderung wert und beauftragte Lonicer mit einer Antwort, die ungefähr zeitgleich mit einer weiteren Erwiderung, durch Bernhardi, erschien. Allfelds Schrift hatte denn auch durch ihre Mängel in den eigenen Reihen Entsetzen gestiftet.

Doch er hatte bereits ein deutsches Büchlein zum selben Thema geschrieben, dass Mitte Mai erschien, dem Rat und den Bürgern der Stadt Leipzig gewidmet. Die Gefahr, dass diese deutsche Fassung auf die einfachen Leute verführerisch wirkte, bewegte Luther dazu, eine Antwort an den – ironisch als hochberühmt bezeichneten – „Romanisten zu Leipzig“ in Angriff zu nehmen. Ihr Erscheinen wurde auf den 26. Juni 1520 angekündigt.

Luthers Schrift ist polemisch und ironisch zugleich. Über die bloße Widerlegung hinaus lässt er sich jedoch „die Ursache willkommen sein, von der Christenheit etwas für die Laien zu erklären“. So wird diese Schrift zu einem der ersten Versuche, die reformatorische Auffassung der Kirche, die sich Luther in seinen exegetischen Vorlesungen erarbeitet hatte, in einfacher, volkstümlicher Gestalt zu lehren und zu erklären“.

Wenn ich Luthers Werke lese, staune ich über seine tiefe und umfassende Sicht der Dinge. Er war in der Lage Details zu beschreiben, ohne  grundlegende Konzepte zu vernachlässigen oder durcheinander zu bringen. Sein Frühwerk zudem zeugt von einer tiefen Verwurzelung in der Schrift. Kein Wunder, hat er ja auch die Bibel in die deutsche Sprache übersetzt, was nun mal ohne Schriftkenntnis nicht geht. Doch größer ist sein Glaube und sein blinder Vertrauen auf die Schrift. Auch ist Luthers Theologie nicht mit vier oder fünf Solis erschlagen. Umfassend und detailliert erkennt er die selbstständige Verantwortung eines Christenmenschen, und als Alfeld aufführt, ein Papst als Oberhaupt wäre nichts als vernünftig, greift Luther ein wichtiges Thema auf, dass wir heute oft vergessen: Dass ein Christ sich nicht auf seinen Verstand zu verlassen habe, sondern auf Gott.

Es ist sehr lächerlich, dass wir Gottes Wort mit unserer Vernunft verfechten wollen, während wir uns doch mit dem Wort Gottes gegen alle Feinde wehren sollen, wie St. Paulus lehrt (Eph. 6,17). Wäre der nicht ein großer Narr, der im Streit seinen Harnisch und sein Schwert mit bloßer Hand oder bloßem Kopf schützen wollte? So ist’s auch, wenn wir Gottes Gesetz, das unsere Waffe ist, mit unserer Vernunft schützen wollen.

Luthers Verachtung der menschlichen Vernunft, die ja auch von Erbsünde und Fall betroffen ist, wie der Rest des Menschen, ist ein entscheidender Punkt, den ich in meinem Glaubensleben erst in Luthers Werken formuliert fand. Ein Misstrauen am eigenen Verstand steht jedem Christen gut an.  Im Weiteren Verlauf greift Luther zudem dass fehlerhafte Verständnis der Katholischen Kirche vom Alten Testament auf: Hier wurde Aron als Vorbild für den Papst gesehen, den er wäre ja der oberste aller Priester etc. Doch ich möchte euch nicht die Lust am Lesen nehmen. Man wird übrigens auch an Luthers Polemik seine Freude haben:

Denn wenn diese Vernunft folgert, dass die Christenheit wie eine leibliche Gemeinde einen leiblichen Oberherrn haben muss, um zu bestehen, so folgert sich auch weiter, dass, wie eine leibliche Gemeinde nicht besteht ohne Frauen, man also der Christenheit auch eine leibliche gemeinsame Frau geben müsste, damit sie nicht vergehe. Das wird ja eine weidliche Hure sein müssen!

Das Buch kann unter glaubensstimme.de gelesen werden.

Mein lieber Markus! (Ein Brief von Paul Geyser)

Ausschnitt aus der Zeitschrift "fest und treu" (Heft 2/2017)

Mit schwerem Herzen habe ich gelesen, dass du dich für die Theologie entschieden hast, und auch deine würdige Mutter hat erklärt, es sei das eine bedenklichere Wahl, als wenn du den Rock aus zweierlei Tuch anziehen oder dein Glück auf dem Weltmeer suchen wolltest. Indessen, wie ich dir nie zuredete und dir ganz freie Wahl ließ, so will ich nun auch nicht widerreden, sondern dir nur zurufen: Der Gott, vor dem meine Väter Abraham und Isaak wandelten, der Gott, der mich mein Leben lang ernährte bis auf diesen Tag, der Engel, der mich erlöst hat von allem Bösen, der sei mit dir! (1Mo 48,15)

Oh, mein Sohn Markus, meines Herzens Hoffnung und Freude, ich wollte lieber, du wärst auf meinen Knien gestorben, als dass du herangewachsen wärst, um des Teufels Narrenkappe zu tragen, ein Diener der Kirche zu heißen und ein Baalspfaffe zu sein. Weißt du, dass nach Gottes Gesetz der Mann, der das Heilige Salböl nachmachte, verflucht und vermaledeit war in Ewigkeit? (2Mo 30,31–33) Wird denn eine geringere Strafe denjenigen treffen, der das Heilige des Neuen Bundes nachmacht, um Menschen und Gott zu belügen?!

Hüte dich, Markus, es gibt eine Theologie, die hat es mit lauter Imitation zu tun – lauter Falschmünzerei!

Hüte dich, es gibt eine Theologie, die gleicht einer Lyoner Musikdose, welche ein paar Stückchen ganz fertig abspielt und dann schweigen oder wieder von vorn anfangen muss, bis die Leute darü- ber einschlafen.

Hüte dich, es gibt eine Theologie, die gleicht einem Antiquitäten-Kabinett, wo alles beisammen ist: ein härener Rock von einem Kirchenvater, ein Rosenkranz von einem Scholastiker, ein Brillenfutteral von Dr. Luther, ein Hosenknopf von Calvin, eine Schnupfdose von Zinzendorf und dergleichen Dinge.

Markus, lass dich nicht darauf ein! Von den Alten sage ich: Mögen sie in Frieden ruhen! Die Reformierten aber halten sich an die Lebendigen, an Israels heilige Propheten und Apostel, an Gottes heiliges Wort, welches bleibt in Ewigkeit! Daran denke du! … Ich weiß, dass auf der Universität „mancherlei Getränk“ eingeschenkt wird. Und ich hoffe zu Gott, wenn du auch Gift saufen musst, so werde es dir nicht schaden (Mk 16,18). Aber weil die Welt so von freier Forschung brüllt, so hebe du nur getrost den Handschuh auf und forsche, dass es dir keiner an Fleiß und Treue zuvortun kann.

Forsche, bis du erkennst, dass all die Großhanse, welche in der Welt wie Leuchttürme angestaunt werden, nur Windbeutel sind – dass alle, die sich nicht beugen vor Gottes Wort, in der Schrift Narren heißen. Gottes Wort, mein Sohn, ist „geläutert im Schmelztiegel siebenmal“ (Ps 12,6). Lass dir keine Bären aufbinden, Markus. Bücke dich nicht vor den Götzen der Wissenschäftelei … Pass auf und lass dich nicht verachten. Schreibe uns bald und vergiss unsere Liebe nicht.

Dein Vater Philalethes

Paul Geyser war von 1861 bis 1882 ein origineller, furchtloser Pfarrer der reformierten Gemeinde in Wuppertal-Elberfeld. Unbeugsam, wenn es um die Frage nach der Autorität der Bibel ging, aber auch ein Mann mit Wärme und Herzlichkeit, wenn es darum ging, Christen seelsorgerlich zu helfen. Dieser Brief an seinen Sohn Markus ist ein gekürzter Auszug aus dem ersten der sechs köstlichen Briefe, die unter dem Titel „Aus dem Nachlass eines Großvaters“ stammen, dem ersten Band der sechs Bände seiner „Gesammelten Schriften“. Nach seinem Tod wurden sie im Neukirchner Verlag aufgelegt.

Die vollständige Zeitschrift findet sich hier!

Bekenntnistag: Reformation und Erweckung

Die Reformations-Gesellschaft-Heidelberg (RGH) will das geistige Erbe der Reformation im deutschsprachigen Raum neu beleben. Dazu veranstaltet sie dieses Jahr ihre zweite jährliche Konferenz in Siegen mit dem Thema: Reformation und Erweckung. Im Mittelpunkt wird nicht Martin Luther sondern Jonathan Edwards stehen. Ich finde die Verknüpung der beiden Themen Reformation und Erweckung sehr interessant. Zudem scheinen die Themen der Vorträge sehr praxisnah zu sein und auf die Gegenwart bezogen.

Außerdem ist der Betanien Verlag mit einem Büchertisch anwesend. Es lohnt sich also, vorbeizuschauen.

Am Samstag den 24. Juni und am Sonntag dem 25. werden diese Vorträge gehalten:

  1. Benedikt Peters „Voraussetzungen für Erweckung“
  2. Ds. Cornelius Sonnevelt „Jonathan Edwards und die große Erweckung des 18. Jahrhunderts“
  3. Benedikt Peters „Erweckung und das Wirken des Heiligen Geistes“
  4. Benedikt Peters „Praktische Folgen einer göttlichen Erweckung“

Wer noch nichts zu Jonathan Edwards gelesen hat, dem empfehle ich die zwar umfangreiche aber auf jeder Seite lohnenswerte Biografie von Iain H. Murray: Jonathan Edwards – Ein Lehrer der Gnade und die große Erweckung.

Alle weiteren Infos zu Konferenz, findet man auf der Webpräsenz reformationsgesellschaft.de.

Von Büchern und Unbüchern

Und wie man sie unterscheiden kann

Immer wieder kann man nur staunen über grausige Predigten in teilweise gut gefüllten Kirchensälen. Wir Evangelikale müssen immer wieder mit magerer Speise zurechtkommen, weil der Prediger den Auftrag Christi vergisst: „Gebt Ihr Ihnen zu essen!“. Doch auch der Büchermarkt ist nicht unbedingt mit zu viel Ehre ausgezeichnet, was die Qualität zahlreicher christlicher Werke angeht.

Immer wieder ärgere ich mich über mangelhafte christliche Literatur, die trotzdem gekauft und gelesen wird, wobei ich mich manchmal frage, ob Menschen die sagen, lesen wäre langweilig und wenig erbauend, genau solche Bücher hatten, und eigentlich meinen, das Lesen bestimmter Bücher wäre langweilig und unnötig. Denn das ist wirklich, dass auf dem sowieso dünn besiedelten christlichen Büchermarkt noch ein Haufen leerer Hopfen gedeiht: Zum Lesen nicht zu empfehlen, zum Verbrennen ein zu geringer Heizwert.

Ich möchte in diesem Artikel einige Kriterien vorstellen, die ein Buch auf der Lesenswertskala deutlich nach unten sinken lassen. Außerdem hoffe ich dadurch, Kriterien herausarbeiten zu können, nach denen man Autoren und ihre Literatur bewerten kann.

Kein Schriftverweis

Ich habe Mühe mit Werken, die auf die Berufung auf die Schrift verzichten. Da werden Wege zu einem geistlicheren Leben vorgestellt, Wachstum im Gebet besprochen, Schritte der Nachfolge diskutiert. Wie man jedoch die vorgestellten Thesen begründen möchte, darauf verzichtet man. Die Autorität eines Autors allein mag in wissenschaftlichen und technischen Fragen genügen, für geistliche Angelegenheiten, mag es der Papst höchstpersönlich sein, der da spricht, ist das Autorität nicht genug.

Als junger Christ habe ich einige Mühe gehabt, dass viel gelobte Buch „Kraft durch Gebet“ von Bounds zu lesen, da er kaum eine seiner Thesen auf der Schrift aufgebaut hat. Viel frommer Text, viel konservativer Inhalt, aber kein Fundament in der Schrift. Ich habe mit Freude gelesen, dass auch das Timotheus-Magazin dieses Problem in ihrem Heft angesprochen hat (Timotheus Magazin Nr. 22 zum Thema: Fasten & Beten). Wohlgemerkt, ich meine keine Zeugnisse oder Bekehrungsgeschichten, die man auch nicht mit Bibelzitaten unterlegen kann. Sondern Lehrfragen, wo ich als Laie von einem Lehrer was lernen möchte.

Nur, wie soll ich lernen können, wenn ich nicht erkennen kann, dass auch die höchste aller Autoritäten das aus der Schrift gelernt hat. Neben Bounds habe ich diese Erfahrung auch mit einigen (aber nicht allen!) Werken von Modersohn gemacht. Hier sehe ich die Stärke der Puritaner. Ihre Werke sind oft schwerfällig, manchmal unnötig detailliert, aber Lehraussagen führten diese generell aus der Schrift heraus

Frommes Allerlei

Ich glaube jeder kennt es aus manchen Gottesdiensten:

Liebe Geschwister, wir wollen hier über die Gnade Gottes nachdenken. Nein es geht nicht um Gnade von Menschen, oder um Gnade an sich, sondern um die Gnade Gottes. Ein ganz wichtiges Thema: Gottes Gnade, kein Mensch kann an diesem Thema vorbeigehen. Es ist doch wirklich nur Gnade, dass wir uns überhaupt darüber Gedanken machen können, wie gütig ist Gott, dass er uns den Verstand gab, dass wir über Ihn nachdenken können. Ja nicht nur über Ihn, sondern auch über seine Eigenschaften, und nicht nur über Liebe und Treue, sondern über Gnade. Ja Gottes Gnade ist so groß, viel größer als wir es begreifen können. Gottes Gnade, da kann jeder sich bestimmt an den Tag erinnern, als er sich zur Gottes Gnade wandte und diese ihn frei machte von Sünde. War Gott da nicht so gut, und wir so schlecht? Was bedeutet aber Gottes Gnade? Dazu möchte ich ein Zitat aus dem Lexikon vorlesen …

Und so weiter und so fort, ohne jedes Aufhören, bis es keiner mehr hören und ertragen kann, und auch die älteste Oma in der Versammlung gelangweilt ist. Ach ja, übrigens vorzutragen in A-mol, die bekannte kleine Terz tiefer, als man sonst spricht, und jeder bemerkt schon, dass man bei der nächsten Predigt Gnade mit Liebe ersetzt, später mit Treue, später mit Güte und so hat man in einer Predigt gleich zehn. Ich bin schockiert, wie viele Bücher unglaublich langweilig und un-pointiert geschrieben sind.

Zwar ist keine Irrlehre zu finden, und man kann zu allem Amen sagen, aber das wozu man Amen sagt, war die zweihundert Seiten die man gelesen hat, einfach nicht wert. Viel allgemeines Blabla, dass sich jeder fleißige Besucher einer Kinderstunde bereits aus dem Ärmel schütteln könnte. Zwar kenne ich oben beschriebene Situation vor allem aus Predigten, doch gibt es auch eine Masse Bücher, die da von ihren Predigern gelernt haben. Ich denke da an manch einen Bibelkommentar, der jegliche Anwendung unterlässt.

Ich erinnere mich, dass ich in der Wuppertaler Studienbibel die vollständige Auslegung zu Genesis gelesen habe, und mich nicht mehr auch nur an eine hilfreiche Auslegung erinnern kann. Viel Weihrauch und frommer Dunst, aber kaum etwas, was erbaut. Das Lesen einiger Seiten im Matthew-Henry Kommentar gibt dir deutlich mehr Material auf gleicher Länge mit für deinen geistlichen Kampf.

Liebe Geschwister, wenn es denn um irdische Fragen ginge, würde ich schweigen, denn ob wir uns langweilen oder nicht, so würden wir nur einige Stunden verlieren. Da es aber um die Ewigkeit geht, um einen geistlichen Kampf, in dem es gilt, gewappnet zu sein, in dem jede Erbauung recht ist und gelegen ist, werden wir so selten mit fester Speise gespeist.

Dabei sehe ich die Not in meinem Leben, wie auch in dem Leben vieler junger Menschen, dass Bedarf nach Unterweisung besteht, aber kaum einer da ist, sinnvoll und hilfreich zu unterweisen. Schließlich halte ich noch daran: Keine Lehre zu lehren ist auch eine Irrlehre, denn gesunde Lehre erbaut, ermutigt und regt zur Anbetung an.

Wer nie langweilig war, wer sehr schnell zum Punkt kam, das war z. B. Luther. In kurzen Schriften hat er Themen behandelt, und zwar pointiert, interessant in einer lebendigen Sprache. Er hütete sich, fast schon auf eine grausame Weise, nicht davor Wahrheiten zu verstecken oder geschickt zu verkleiden. Solche Autoren fehlen uns heute.

Humanistisches Geplärr

Besonders allergisch bin ich auf Bücher, die ich mit oben genannter Überschrift qualifiziere. Was ich damit meine, ist, dass man z. B. ein Buch über Fleiß schreiben möchte, und als Vorbilder für Fleiß irgendwelche Schauspieler, Sportler etc. aufführt, die doch zum Größten Teil keine Christen waren. Was hat Christus zu schaffen mit Belial? Ähnlich ist es auch, wenn man das Wohlbefinden des Menschen in den Vordergrund stellt, so als ginge es nicht um die Ehre Gottes, sondern um den kleinen stinkenden Menschen.

Hier klar zu sehen, verdanke ich den Reformatoren: Luther war allergisch auf Aussagen wie „gesunder Menschenverstand“ und „es dient dazu, dass die Menschen friedlicher zusammen leben“. Vollkommen zurecht, als Christ muss ich lernen, dass nicht ich im Vordergrund stehe, sondern das Werk Christi. Mag ich ein Verlierer sein, wenn doch nur Christus ein Gewinner sein kann. Ohne bestimmte Autoren besonders kritisieren zu wollen, sind es oft vermeintlich „calvinistische“ amerikanische Autoren, die genau in das Fettnäpfchen des Humanismus treten. Ich erinnere mich an ein Buch, dass ins Rennen ging, Menschen in ihren Leiden zu trösten. Ein sehr ausführlich besprochenes Ereignis war dabei der Besuch des Autors (ein altehrwürdiger Pastor) bei einem Baseballspiel. Während des Spiels zog ein Schneesturm auf, und die ganze Verzweifelung lag auf seinen Schultern, als er nach dem Spiel erst das Auto nicht finden, und sich dann auch das Schloss nicht öffnen ließ. Sollte sowas trösten können?

Unnötige Trivialitäten

Luther schrieb zu Erasmus von Rotterdam, dass er nicht über den freien Willen schreiben sollte, wenn er das Thema für unwichtig hält. Zu Themen die unwichtig sind, und zu denen keine klare Meinung möglich ist, solle man auch keine feste Meinung erstreben. Ich denke, Luther hatte recht. Ich bin geradezu allergisch auf Bücher, die Themen wie Organspende, Feuerbestattungen oder Kleidungssitten so lange breit treten und als ein äußerst wichtiges Thema darstellen, in welchem doch jeder Christ eine feste Meinung zu haben habe.

Glaube ich nicht, denn es ist noch kein Mensch dafür in die Hölle gekommen, dass er seine Nieren gespendet hat, aber es sind viele Menschen in die Hölle gekommen, dass Sie nicht an Christus, als ihren Erlöser geglaubt haben. Selbst mit Eheratgebern, Erziehungsratgebern und sonstigen der vielfach vorhanden Ratgebern habe ich so meine Mühe, möchte aber nicht ausschließen, dass dies jemandem erbaulich sein kann. Für meine Ehe, hat mir aber das Buch Seid heilig! von Ryle viel mehr geholfen. Denn im Blick auf Jesus werden wir geheilt, auch unsere womöglich kranken Ehen werden niemals durch Ratgeber, sondern nur durch Christus geheilt werden können.

Ich gestehe ein, dass ich in diesem Punkt, nicht immer klar sagen könnte, wo genau die Grenze zwischen Trivialitäten und Notwendigkeiten liegt, aber ich könnte auch nicht sagen, dass ich alle Bücher die ich für hilfreich und sinnvoll halte, bereits gelesen habe. Es ist immer besser Gold zu sammeln als Eisen.

Schlimmer ist es manchmal, wenn man wichtige Fragen mit trivialen Argumenten begründet. Vor mir liegt ein Buch mit dem Titel „evangelical ethics“. Der Autor führt bzgl. Kriegsführung (und er ist kein Pazifist) unter anderem diese Argumente vor:

  1. Der Haushalt für das Militär koste gar nicht so viel wie oft behauptet, gäbe doch jeder durchschnittliche Amerikaner für Kino und Musik mehr als die Airforce für alle ihre Flugzeuge aus.
  2. Der freie Westen muss geschützt werden! Wo wären wir wohl, wenn nicht so viele Christen den freien Westen nicht vor den Kommunisten geschützt hätten (Die Frage, wer uns denn nun vor Trump schützen soll, will der Autor nicht beantworten.).
  3. Schließlich sollen die ganzen Pazifisten sich nicht nur auf die Leidenszeit Christi berufen. Denn Christi Geschichte hat mit seiner wehrlosen Kreuzigung nicht aufgehört, sondern geht mit Auferstehung und Gericht weiter. So sollen auch wir Christen nicht nur leiden sondern Gericht üben.
  4. Man könne indem man einen Verbrecher tötet, ihn vor mehr Schuld und Verantwortung vor dem himmlischen Gericht bewahren.

Argument 4 ist noch das, welchem ich am meisten Sympathie abgewinnen kann. Wie man aber zu so einem durchaus relevanten Thema, derart plumpe, verstandesmäßige und menschliche Argumente aufführen kann, darüber kann ich nur den Kopf schütten. Das soll mich als überzeugten Pazifisten beeinflussen?

Intellektuelles Gehabe

Schließlich habe ich auch mit christlichen Büchern Mühe, die vor allem das Intellekt ansprechen. Damit meine ich nicht Bücher über Sprache, Kultur, oder Kommentare zur Bibel oder Lexika der verschiedenen Art. All diese Bücher haben wir nötig, um die Schrift besser verstehen zu können und Bücher zur Bibel sind geradezu die hilfreichsten überhaupt. Denn jeder Vers, denn wir besser verstehen ist bereits eine deutliche Bereicherung.

Aber es gibt neben diesen Büchern, auch Werke die in erster Linie den Verstand des Christen ansprechen wollen. Als ginge es Gott nie um den ganzen Menschen, nie um Leib, Seele und Geist. Als zählten für die Schrift nicht Seele und „HERZ“ mehr als der Verstand. Ich habe immer wieder Freude beim Lesen intellektuell anspruchsvoller Werke, aber oft bleibt die Seele leer, oft bleibt die Frage, was man mit diesem Wissen zusätzlich zu unternehmen habe. Da diese Bücher aber eher selten in christlichen Reihen sind, geht von Ihnen vielleicht auch die geringste Gefahr aus. Die größte Gefahr hier ist wohl: Das Wissen bläst auf.

Die Kriterien, die ich für mich aufstelle sind also gar nicht so zahlreich, sondern die:

  • Verwurzelung in der Schrift
  • Lebendiges, pointiertes Werk, kein Seitenfüller
  • Ehre Gottes  und Christus im Zentrum
  • Relevantes Thema
  • Spricht Seele an, leitet zum Gebet, schenkt Trost

Es ist möglich, dass ein gutes Buch auch langweilig wird, dass mag ich hinnehmen, aber wenn es auch noch anfängt zu menscheln, dann klappe ich es zu.

Die nächste große Übernahme in der evangelikalen Verlagsszene

Kawohl und Francke übernehmen Brunnen

Gerade erst ein Jahr ist es her, als die größte evangelikale Verlagsgruppe Stiftung Christliche Medien (SCM) die Verlage Gerth Medien und Adeo von Random House übernahm. Im selben Jahr fusionierten der Brunnen Verlag Basel und der charismatische Asaph-Verlag aus der Schweiz und treten seitdem gemeinsam unter dem Namen Fontis-Media auf.

Am 2. Juni hat der Francke-Verlag gemeinsam mit der Kawohl-Verlagsgruppe den Brunnen Verlag in Gießen, die größte christliche Buchhandelskette ALPHA mit 33 Filialen und Franchise-Partner sowie das Logistikunternehmen ChrisMedia übernommen. Die Unternehmen sind zu je 50 % beteiligt.

Das traditionelle evangelikale Verlagswesen hat mit der Übernahme die nächste Stufe einer kontinuierlichen Verschmelzung erreicht.

Von den großen Verlagen übrig geblieben sind nur noch Francke, Fontis-Verlag und die beiden Verlagsgruppen um SCM und Kawohl.

Erfreulich im Gegensatz dazu ist, dass es eine wachsende Anzahl christlicher Nischenverlage mit einem ausgezeichneten Angebot gibt.

Tipp: Junge Junge, Mädchen Mädchen

Wie Jungen und Mädchen gemacht sind

Wenn die Kinder klein sind und die ersten Dinge lernen, die sie zum Leben brauchen, denken Eltern oft nur in kleinen Etappen. Der erste Zahn, das erste Wort, die ersten Schritte und so weiter. Dann kommt die Schule und die Pubertät. Aber irgendwann dazwischen steht die Sache mit der Aufklärung im Raum und da geraten viele ins Stottern, weil sie nicht wissen, wie sie es am Besten anfangen sollen. Da fehlen die Worte und die passende Gelegenheit und das Thema wird immer weiter aufgeschoben.

Aber mit diesen Büchern wird die Aufklärung enorm vereinfacht. Liebe Eltern,  nehmt euch Zeit um gemeinsam mit eurem heranwachsenden Kind das Buch durchzulesen!

Die Bücher sind sehr ansprechend und schön gestaltet, mit einfachen Skizzen und Bildern, die alles Wichtige gut erklären, ohne sexuell anregend zu wirken. Es wird beschrieben, wie sich der Körper und der Geist im Laufe der Pubertät entwickeln und worauf man achten muss. Der Leser soll erkennen, dass er von Gott geschaffen wurde und das Gott es auch gewollt hat, das jeder Mensch den Weg vom Kind-sein zum Erwachsenen gehen muss.

Die Autoren gehen auch auf die Ehe ein. Sie erklären, wie ein Kind gezeugt wird und wie es zur Welt kommt. Sie geben Ratschläge, wie junge Menschen eine Ehe angehen sollten. Hierzu möchte ich anmerken, dass es nicht dem biblischen Prinzip entspricht, wenn junge Menschen durch „Dates“ mit verschiedenen Partnern „ausprobieren“, wer der richtige Partner ist. Viel mehr sollten junge Menschen intensiv um die Führung Gottes beten und eine Beziehung nur dann führen, wenn klar ist, dass die Beziehung auch in eine Ehe führt.

Die beiden Bücher sind bis auf das 4. Kapitel nahezu identisch. Da sie nur 77 Seiten haben sind sie auch für Nicht-so-gern-Leser sehr gut geeignet. Da bei diesen Büchern der Fokus mehr auf der körperlichen Veränderung und Aufklärung liegt, empfehle ich für den geistlichen Teil der Aufklärung die Ratgeber für Jungen und Mädchen aus dem Nehemia Verlag. „Echt schön!“ (für Mädchen) und „Echt stark!“ (für Jungen).

Mädchen Mädchen und Junge Junge kosten je 5,90 EUR.

JR

Richard Friedenthal: Martin Luther – Sein Leben und seine Zeit

Biographie

In meinem Bücherregal stehen fünf verschiedene Biographien über Martin Luther. Obwohl ich nicht alle vollständig gelesen habe, gefällt mir keine mehr als die von Richard Friedenthal.

Ich glaube, heute neigt man dazu, an Luther vor allem seine Fehler zu sehen, allen voran seinem Antisemitismus, der in der Tat abscheulich war. Oder seinem harten Verhalten gegenüber den Widertäufern, die ja, so will es mancher wissen, die Glaubensvorfahren der Baptisten waren. Doch wie viel Positives man im Leben eines Thomas Müntzers finden kann, will auch keiner aufzählen. Andere vermeintlich positive Stimmen sehen einen Rebell, oder einen Frauenrechtler, den Gründer des Kapitalismus und der „schnellen“ Presse.

Als ob dies alles erste Anliegen Luthers wären. Luther als Person darzustellen gelingt Friedenthal sehr gut, der als Jude einen eher entfernten Blickwinkel einnimmt, jedoch viel Sympathie für Luther aufzeigt, ohne ihn zu vergöttern. Besonders gelingt Friedenthal die Darstellung seiner Zeit. Sehr ausführlich und sauber recherchiert sind unterschiedliche Lebensstationen des Reformators und der damals dominierende Zeitgeist. Ablass, Machtmissbrauch, Vetternwirtschaft, die Zersplitterung Deutschlands in kleinste Bezirke, Streitigkeiten zwischen Scholastikern und Humanisten, all das wird sauber dargestellt. Auch auf verschiedene Widersacher Luthers geht der Autor ausführlich ein. Schließlich überzeugt das Werk auch durch seine lebendige und frische Ausdrucksweise, doch überzeugt euch selbst:

Luthers frühe Schriften sind immer vulkanisch. Sie haben eine sanfte Kruste mit grün bewachsenen Abhängen der sicherlich ehrlich gemeinten Beteuerungen seiner Treue zur Kirche, darunter glüht die Lava, jeden Augenblick bereit, auszubrechen. Ahnungslos liefert er den Dominikanern Holz für ihren Scheiterhaufen, der vorläufig noch recht wenig und ziemlich nasses Reisig enthielt. Bisher hatte er sich auf lateinisch geäußert, in „Ansichten“, über die debattiert werden sollte. Jetzt schrieb er mit einem Male deutsch, einen Sermon „über Ablass und Gnade“. Dieses Heftlein hat eigentlich erst die ganz weite Wirkung erzielt. über zwanzig verschiedene Ausgaben sind gezählt worden, eine völlig unwahrscheinliche Auflagenhöhe, wenn man bedenkt, wie wenig Menschen lesen konnten, wie mühsam der Buchhandel noch in hölzerne Tonnen zu Pferd oder auf Rollwagen seine Produkte von Ort zu Ort transportieren musste, obendrein ständig bedroht von örtlicher Zensur oder Steuer- und Stapelrechten. Luther hat übrigens weder für diese Schrift noch je für ein anderes seiner Werke ein Honorar erhalten. Er bekam als Mönch auch kein Gehalt als Professor; der Orden hatte ihn dem Kurfürsten geliehen. Und bescheiden musste er sogar verschiedene Male darum bitten, die ihm versprochene neue Kutte doch zu gewähren; der kurfürstliche Rat Pfeffinger verhinderte diese überflüssige Ausgabe immer wieder, bis Luthers Gönner bei Hofe sich ins Zeug legten und ihm den schwarzen Rock zusenden ließen. Ein armseliges Mönchlein in der Tat, das da antrat zum Kampf gegen eine Weltmacht mit unbegrenzten Mitteln.

Lieber Blogleser, ich erlebe folgende Situation häufig: „Ich habe bei Luther/Spurgeon/MacDonald (frei ersetzbar) dies und das gelesen, was mir sehr gut gefallen, aber ich habe gehört, dass er auch nicht ganz treu/sauber/richtig (wieder frei ersetzbar) war“, sagt man mir. Wenn ich diese Geschwister dann frage, ob der Mensch, von dem sie dies hörten, denn treu/sauber/richtig (schon wieder frei ersetzbar) ist, meint man schnell, das spiele ja keine Rolle, und die „Leute würden dies ja nicht einfach so sagen“.

So viel Vertrauen habe ich zwar nicht, in das, was die „Leute so sagen“, denn wie bereits Kurt Tucholsky feststellte, wäre es gut, wenn der Mensch so selten zuhört, denn was Gescheites hört er ja doch selten. Doch selbst bei zuverlässigen Zeugen, würde ich mir doch nie die Gelegenheit entgehen lassen, mir selbst ein Bild zu machen.

Die 500-Jahr-Feier der Reformation kann ein guter Anlass sein, sich ein besseres Bild von Luther zu machen. Die vorgestellte Biographie ist eine gute Gelegenheit hierfür.

Das Buch ist zuletzt bei Piper erschienen und ist auch antiquarisch günstig zu erwerben.

Warum eBooks günstiger werden müssen

Was ist ein fairer Preis für ein eBook?

Was ist ein fairer Preis für ein eBook? Die meisten Verlage orientieren sich bei der Preisfindung an dem Buchpreis und ziehen von diesem 20 % ab. Aus 16,95 EUR werden 13,99 EUR, aus 19,95 EUR 15,99 EUR und statt 14,95 EUR werden 12,99 EUR verlangt. Konkret liegt die Ersparnis in gleicher Reihenfolge (nur) bei 20 %, 17,5 % und 13,1 %.

Die Verlage begründen den geringen Preisunterschied meist damit, dass beim eBook zwar keine Druck- Lager- und Transportkosten, aber dafür Kosten für eBook-Konvertierung und Vertrieb anfallen. Außerdem werden eBooks, im Gegensatz zu Büchern (7%), mit dem vollen Mehrwertsteuersatz versteuert (19%).

Für mich ist diese Argumentation schlüssig. Die Verlagskosten beim eBook sind nur unwesentlich geringer als beim papiernen Buch. Aber es wird dabei übersehen, dass der Käufer ein „eBook mit stark eingeschränkten Rechten“ erwirbt. Denn genau genommen erwirbt der Käufer kein eBook sondern lediglich ein Nutzungsrecht. Ein Recht, das eBook herunterzuladen und selbst zu lesen. Und dieses Recht zur Nutzung beschränkt sich ausschließlich auf den einen Käufer.

Das hat die schwerwiegende Folge, dass ein „gebrauchtes“ eBook, im Gegensatz zum Buch, nicht verliehen, weiterverkauft, oder verschenkt werden darf. Der eBook-Käufer erwirbt also ein Produkt mit viel weniger Rechten als beim Buch. Der Preis muss deshalb deutlich niedriger angesetzt werden. 20 % unterhalb des Papierpreises sind kaum vermittelbar.

Daher bin ich der Meinung, dass eBook-Preise sich in aller Regel im Preisrahmen zwischen 3,99 EUR und 9,99 EUR einpendeln sollten. Also bei 50 % unterhalb des Buchpreises.

Welche Folgen hätten günstigere eBook-Preise wahrscheinlich?

  • günstigere Preise würden dazu führen, dass die Leser eher zum eBook greifen à der eBook-„Markt“ würde wachsen
  • die eBook-Leser könnten zahlenmäßig mehr eBooks kaufen
  • günstige und billige (Taschen-)Bücher würden durch eBooks kompensiert
  • die Entscheidung würde zukünftig zwischen günstigem eBook und hochwertigem und eher höherpreisigem Buch zu treffen sein

Martin Luther: Ob man vor dem Sterben fliehen möge

Kostenloses eBook

1525 wütete in Breslau die Pest. Wer konnte, floh vor der Seuche und verließ die Stadt. So entstand auch bei evangelischen Pfarrern das Problem, ob man vor diesem Sterben fliehen dürfe? Man stellte diese Frage Luther zur Klärung, und er verfasste diese Schrift. Als die Pest zwei Jahre später auch in Wittenberg ausbrach, blieb Luther und versorgte als Seelsorger die Bedürftigen. H.C. Knuth schreibt dazu:

„Die Schrift zeigt klar, wie der Glaube die Freiheit zum Handeln, die Liebe aber die Freiheit zum Leiden gibt. Luther geht einen Weg, der Feigheit genauso wie Fatalismus vermeidet.“

Dies ist ein äußerst interessantes Werk, dass ich vor längerer Zeit eigentlich nur des interessanten Titels halber gelesen habe.  Für unser Jubiläumsjahr möchte ich das Buch jedermann ans Herz legen, gelingt es doch Luther aus dieser äußerst spezifischen Frage, einen wichtigen Grundsatz herzuleiten: Hat ein Mensch Verantwortung zu seinem nächsten, da er z. B. Bürgermeister oder Pfarrer ist, so darf er seine Schäfchen nicht verlassen, denn er würde Ihnen schaden und nicht nach der Liebe handeln.

Luther lehrte dies nicht nur, sondern lebte dies auch. Selbst als der Kurfürst Johann ihn drängte nach Jena zu übersiedeln, blieb er standhaft. Selbst als eines seiner Kinder an der Pest starb, blieb er standhaft. Selbst als Wittenberg zum zweiten Mal von der Pest heimgesucht wurde, blieb er standhaft, ja er besuchte Todkranke an ihren Sterbebetten und spendete ihnen Trost.

Geht es um einen Umzug in eine andere Gegend oder gar ein anderes Land, meinen viele, dass sie hier selber entscheiden können, was für sie richtig, oder besser oder profitabler ist. Andere wiederum beten und wollen wissen „ob die Wolke mitzieht“, halten diese Frage aber im ganzen eher als eine Sache des „speziellen persönlichen Willen“ Gottes. In diesen Fragen sah Luther aber eine allgemeine Antwort, doch hören wir Luther selbst.

Ebenso sind die, die im geistlichen Amt sind, wie Prediger und Seelsorger, auch schuldig, in Sterbens- und Todesnöten zu stehen und zu bleiben. Denn da steht ein öffentlicher Befehl Christi: „ein guter Hirte lässt sein Leben für seine Schafe; aber ein Mietling sieht den Wolf kommen und flieht.“ Denn im Sterben bedarf man des geistlichen Amtes am allermeisten, das mit Gottes Wort und Sakrament die Gewissen stärke und tröste, um den Tod im Glauben zu überwinden. Doch wenn so viele Prediger vorhanden wären und sie sich untereinander selbst einigten, dass sie etliche unter sich wegzuziehen ermahnten, weil die ohne Notwendigkeit in solcher Gefahr blieben, meine ich: Es wäre nicht Sünde …“

Ich fürchte, nur wenige Menschen würden heute den Gewissenskonflikt überhaupt sehen, an seinen Nächsten so zu denken. Als ob es nicht immer um die eigene Haut gehe. Ein sehr lesenswertes Buch, vor allem für Russlanddeutsche. Denn sie dachten, dass das Land, in dem es wirtschaftlich besser gehen würde, erstrebenswert wäre, kämen doch auch die Vorfahren hierher. Wie viele Gemeinden blieben da in verfolgten Ländern, ohne Hirte, ohne Prediger und teilweise ganz ohne geistliche Unterstützung? Jedoch will ich hier nicht zu scharf richten, sondern alle motivieren, dieses erfrischende Büchlein zu lesen.

Zum Download: Ob man vor dem Sterben fliehen möge

Gedanken über die Ehe & Gedanken über den Ehealltag

Reihe Alltag & Familie

In der Reihe Alltag & Familie ist bereits das Heft Gedanken über den Umgang mit der Zeit erschienen. Für Wenigleser eine gute Gelegenheit, sich mit den Grundlagen des jeweiligen Themas vertraut zu machen.

In Gedanken über die Ehe legt John Grant in kurzen Kapiteln die Grundlagen der Ehe dar. Dass die Ehe von Gott eingesetzt ist und eine Heirat gemäß der Bibel nur unter gläubigen Christen möglich ist. Er betont, dass die Ehe eine „Liebesbeziehung“ auf drei Ebenen ist. Eine Beziehung der selbstlosen Liebe, der freundschaftlichen Liebe und der erotischen Liebe.

Anhand konkreter Bibelworte führt der Autor die grundlegenden Verpflichtungen von Ehefrau und Ehemann in einer Ehe an, bevor er mit einigen Ratschlägen aus den Sprüchen endet.

Das Heft Gedanken über den Ehealltag ist die Fortsetzung. Auf 45 Seiten geht John Grant auf die allgemeinen Gründe ein, die zu unglücklichen und kriselnden Ehen führen ein. Er stellt die These auf, dass „Eheprobleme aller Art die Folge von geistlichen Problemen sind“ (S. 10).

Eine falsch ausgerichtete Liebe kann ebenso zum Verhängnis werden wie das „Sich auseinanderleben“.

Die Stärke der Hefte ist, dass Grundlagen auf wenigen Seiten gelegt werden. Es gibt einen deutlichen Bibelbezug ohne dass zu viele Geschichten, Anekdoten und Erfahrungen gibt.

Die Hefte Gedanken über die Ehe und Gedanken über den Ehealltag sind bei Edition Nehemia erschienen und kosten je 2,90 EUR.